Wie ihr vielleicht ahnt, sind die Blogbeiträge immer ein bis zwei Tage verzögert. Das bedeutet, ich war bereits am freien gestrigen Dienstag in Akihabara, während ich eigentlich den Beitrag für das Wochenende schreiben sollte. Aber das mache ich jetzt etwas zusammengefasst. Es folgt also die Zusammenfassung für Sonntag und Montag, 16+17. August. An diesen Tagen fand der Youth Summit seinen Höhepunkt und Abschluss.

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Am Sonntag waren wir viel unterwegs, bevor wir uns an die Diskussion und Vorbereitung der Präsentation für den Höhepunkt des Youth Summit am Montag machten. Die Bilder erzählen auch heute wieder mehr, als ich über die Tempel und Schreinbesuche schreiben könnte. Wie üblich hatten wir wechselweise 30° im Schatten und Ohne bei üblich hoher Luftfeuchte.

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Der Museumsbesuch erzählte uns die Geschichte Japans im Blickwinkel von Krieg und Frieden, Sieg und manchmal auch Niederlage. Die Darstellung einiger Sachverhalte war ein bisschen gewöhnungsbedürftig oder nur sehr indirekt verständlich, vor Allem wenn es um Niederlagen ging oder gar den Ausgang des 2. Weltkrieges. Ganz wichtig war immer, eine Entschuldigung für jede offensive Handlungsweise zu präsentieren. Ich möchte nicht sagen, dass die Darstellungen falsch waren, aber sie waren manchmal dermaßen verzerrt, dass man sich fragt, welche Darstellung die „korrektere“ ist – die westliche oder die Japanische.

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Unser japanischer Gruppenleiter sowie die anderen drei Japanerinnen und Japaner haben die Gruppe super geführt und den Rundweg mit diesem Museumsbesuch beendet. Zwischendurch gab’s leckere Yakusoba-Nudeln mit Zimtgeschmack. Anschließend haben wir uns am Sonntag ab 17 Uhr zusammengesetzt, um die Präsentation vorzubereiten. Ich weiß nicht, ob es nur daran lag, dass unser Gruppenleiter offenbar das Ganze unter „Präsentation“ eingeordnet hat statt „Gruppenarbeit“, aber es war eine ziemlich krasse Erfahrung.

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Denn im Gegensatz zu den Deutschen gibt’s bei den Japanern keine Diskussionskultur. Die Mitglieder der Gruppe sind dazu da, den Präsentationsführer zu unterstützen, nickend dazusitzen und hinter ihm zu stehen. Die Inhalte des Vortrags sind oft bereits vorher festgelegt und auch die Argumentationskette. Somit war unser Gruppenleiter absolut aus dem Konzept gebracht, als die Deutschen angefangen haben, „warum“ zu fragen. Er war des Weiteren äußerst unglücklich über die Antworten auf seine Fragen (was schon ungewöhnlich genug ist, dass er uns in dieser Vorarbeit etwas gefragt hat). Mit den langen, kritischen Antworten hat er ebenfalls nicht gerechnet.

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Hinzu kam die Kommunikationsbarriere, so dass das Chaos perfekt war und er unsere Gruppe kurzerhand zum Abendbrot geschickt hat. Die anderen Japaner in der Gruppe haben sich bis dahin auffällig zurückgehalten, obwohl sie Englisch können. Ich glaube, sie haben es längst kapiert oder kennen die deutsche Diskussion bereits.

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Wir Deutschen haben uns also sofort nach dem Essen zu einer Krisensitzung zusammengesetzt und uns an die japanische Diskussionskultur erinnert. Nach dem Essen hat unser englischbefähigter Japaner aus der Gruppe übernommen. Dies allerdings hat wenig später trotz oder gerade aufgrund erfolgreicherer Leitung zu einem für Japaner ziemlich heftigen Streit geführt. Schließlich bedeutete das für unseren Gruppenleiter einen Gesichtsverlust sondergleichen. Während er also noch hinter mir ausrastete „ore, ore!“ haben wir versucht ihn wieder einzugliedern. Dies gelang dann auch mit viel Augenkontakt und Aufmerksamkeit für ihn sowie einigen hochspannenden sozialen Verhaltensweisen innerhalb der vier Japaner, was beobachten zu dürfen eine große Ehre und eine spannende Geschichte war.

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Die Präsentation wurde dann anschließend wohl typisch japanisch zu Ende gebracht. Die Japaner schrieben alles auf und erstellten die Folien, während wir nickend und zustimmend aber etwas ratlos daneben gesessen haben. Dieser Spaß war dann um halb zwei Uhr morgens vorbei. Es gab andere Gruppen, die schneller fertig waren, ja. Es gab auch andere Gruppen, die bessere Präsentationen hatten, ja. Aber ich vermute, keine hat so viel gelernt dabei wie Unsere. Und böse ist uns unser japanischer Gruppenleiter anschließend auch nicht gewesen, denke ich.

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