Das Praktikum nimmt schräge Formen an und kann sowie konnte nie so genannt werden. Nennen wir es kulturelles Praktikum. Wir haben vier Blöcke, von 9:20 Uhr bis 12:25 Uhr und von 13:20 bis ich bin nicht sicher wann, denn wir haben heut um 16 Uhr aufgehört. Es war Unterricht in CGI und Videoschnitt, und es wurden Arbeiten der Schüler besprochen, denn ich lande in den letzten zwei Wochen des Semesters. Aber trotz allem sehr spannend, ich verstand erstaunlich viel. Zum Teil bis zu 80% dank der englischen Fachwörter und der guten Lehrer.

Ich kann allerdings nicht viel mehr machen, als dem Unterricht zuzuschauen, denn die Programme wie After Effects sind in Japanisch beschriftet. Jeder Schüler hat an der Schule seinen Laptop, so konnte ich auch mit Meinem im Unterricht sitzen. Die Klassen sind vergleichsweise klein, ein dutzend Schüler, etwas jünger als ich. Heute war es eigentlich nur ein dem Lehrer zuhören, der die zum Teil interessanten, zum Teil fragwürdigen „Arbeiten“ der Schüler im 1. Semester besprochen hat. Ich vermute, nicht alle werden das 2. Semester sehen. Mein Stundenplan sagt, morgen steht Manga und Animation auf dem Plan. Bin gespannt.

Im letzten Block kam ich endlich ins Gespräch mit den Schülern, die uns bis dahin trotz Vorstellung ignorierten und vermutlich genauso feige waren wie ich und Michael. Jolinka ist in anderen Klassen, denn sie interessiert sich mehr für Architektur als für digitale Medien und Mangakunst. Nachdem ich zaghaft mit dem Wörterbuch bewaffnet einen der Mitschüler nach dem Semester fragte, konnte ich erste Kontaktaufnahmen erfolgreich verbuchen.

Später konnte ich dank eines Lehrers herausfinden, dass ein Drittel der Klasse aus Otaku, also Manga-, Game- und Animefreaks besteht. Diese haben mich auch herzlichst in ihre Mitte genommen, nachdem ich zu Aller Erstaunen die Namen einiger mir vorgesetzter Serien problemlos erkannte. Es gab sogar Welche, die sie nicht wussten, wie Clannad. Das kennen hier erstaunlich Wenige. Nun muss ich mir also nur noch mindestens vier japanische Namen gleichzeitig merken, die auch noch ähnlich klingen. Ich sehe das Desaster morgen schon herannahen. Der Lehrer zeigte mir mehrere A4-Ausdrucke Cosplayender Schülerinnen und Schüler im Studio der Schule im Rahmen der Webstream-TV-Sendung. Das war irgendwie… schräg.

Nach der Schule habe ich noch zwei Tayaki, gefüllt mit süßer heißer Bohnenpaste, mitgehen lassen. Danach zwang mich der Sturm mit waagerechtem Nieselregen dann doch, Okasan anzurufen. Sie hatte gefordert, mich anstelle des Busses von der Schule abzuholen. Dass ich auch Bus fahren hätte können, zeigte ich ihr hoffentlich dezent genug indem ich die Tayaki mit nach Hause nahm, denn die sind auch nicht grade neben der Schule, sondern eher Richtung Bushaltestelle. Ich hab aber dann noch die Wartezeit damit verbracht zu zählen, wie viele Mädels im Schulkostüm sich bei dem Wind auf die Straße trauen.

Die Japaner nutzten das leicht stürmische Wetter für einen frühen Arbeitsschluss. Läden schlossen und die Stadt war relativ ausgestorben, obwohl längst bekannt sein hätte müssen, dass der Taifun Utsonomiya nur streifen wird. Jeder hat eben seine Methoden, sich mal vor der Arbeit zu drücken, und diese Methode erscheint mir doch recht japanisch.

Die höheren Semester dieser kleinen Medienschule produzieren übrigens Donnerstags immer oben genannten TV-Stream ins Web. Man kann ihn hier sehen, und ich habe meinen Auftritt darin von letzten Donnerstag noch nicht gefunden… Zum Abendessen gabs Oden (heißen Topf sozusagen) mit ein paar ziemlich pervers aussehenden Inhalten, da meine Gasteltern sich dusselig frieren, während ich im T-Shirt rumlaufe bei 20 Grad.


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