»Japanologie« für Anfänger

»Hey, Dich kennen wir doch!« – erschrocken drehe ich mich um. Grade komme ich aus der Immermannstraße in Düsseldorf, mit einem giftgrünen Meloneneis in der Hand. Die Gruppe hatte mich offenbar auf einer Raststätte auf dem Weg in den mittleren Norden gesehen. Der Aufkleber auf dem Auto ist zwar auffallend, aber nicht penetrant. Ich war erstaunt, wie auffallend man sein kann. Projekt Itasha ist damit schwer in Frage gestellt.

Die Dokomi 2017 und die Connichi 2017 waren riiiiesig. Nicht nur im Wortsinne, es gab auch wirklich alles zu sehen. Ich bin sicher, der Japantag war ähnlich, wenn auch sicher wieder ziemlich überlaufen. Es gab Künstlerstände, Merchandising, ein kleines Matsuri, japanische Verpflegung, Spieleecken, AMVs, eine Takeshis Castle Hüpfburg und noch so Einiges.

Die japanische Popkultur hat Deutschland erreicht, zweifelsohne. Manchmal, so möchte man meinen, mitsamt allen Nachteilen, die sich daraus ergeben. Doch im Großen und Ganzen sehr friedlich und bunt. Nein. Das andere bunt.

Ich bin ja nun kein regelmäßiger Conbesucher. Aber manchmal zieht es mich doch hinaus in die Messegelände des Ruhrgebiets, wo die Japanaffine Jugend und Nichtsojugend sich dem Kostümspiel, also Cosplay, hingibt. Natürlich immer mit einer Schar Fotografen, Touristen und Schaulustigen im Anhang.

Deshalb hier das kleine Con 1×1 für Neulinge:

  • Unverkleidet auftauchen: 10 Minuskekse
  • Fotografieren ohne zu fragen: 20 Minuskekse
  • Höflich und gesittet in der Schlange auf den Eintritt warten: 15 Pluskekse
  • Achtlos an den Künstlerständen vorübergehen: je ein böser Blick (und zehn Minuskekse)
  • Starren und Sabbern: Ewige Verdammung aus den heiligen Hallen und vom edlen Grün.
  • Komplimente verteilen: Eine Runde Gratis-Hugs

Ja, ich habe sicher auch schon den ehrwürdigen Conknigge verletzt. Es steht – auch von der Professionalität her – ungefähr auf einer Stufe mit dem Verteilen einer Visitenkarte, auf der die E-Mailadresse ungültig ist, weil man sie ein paar Wochen vorher gelöscht hat, wegen des Spams. Gomen Nasai hiermit an alle verzweifelt auf Facebook herumirrenden Irren, die mich immer noch suchen (und ihre Fotos). Ich werde mich übrigens jetzt hüten, hier einen Ausflug ins Foto- und Urheberrecht zu unternehmen. Die Cons haben inzwischen ihre ganz eigenen Regeln und Sitten, und dagegen ist auch nichts einzuwenden.

Durch Dick und Dünn.

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Und da saß sie nun, mit überkreuzten Beinen auf dem Bett, und schaute mich erwartungsvoll an. Ich war ziemlich hereingestürmt, denn ich war spät dran. Ganze fünf Jahre zu spät. Wieso konnten wir uns nicht früher kennen lernen, fragte sie mit stummem Blick. Ich drehte mich auf dem Stuhl, blickte im kleinen Zimmerchen umher und fühlte mich plötzlich wie in einer anderen Welt. Es war nicht groß, aber groß genug. Das breite Bett nahm den meisten Platz ein, die kleine Küche schmiegte sich an die Wand. Eine große Regalwand diente als Raumteiler. Es sah gemütlich aus, auch wenn alles in schwarzem Farbton gehalten war. Auffallend das Kissen mit dem Pferdekopf, das so gar nicht zur übrigen Einrichtung zu passen schien. Sie schaute mich immer noch an. Ihre Kleidung komplementierte die Einrichtung, schwarz wie die Nacht. Wir unterhielten uns, während sich der Parfümduft langsam verzog. Wir hatten eine Stadtbesichtigung geplant, wir gingen, wir schauten, wir kamen zurück. Es war spät geworden, ich hatte drei Stunden Fahrtzeit hinter mir, aber die Müdigkeit wich einer subtilen Aufregung. Sie musste es merken. Irgendwann war das Licht gelöscht, die Kerzen ausgeblasen, und dann war da nur noch der Atem von zwei Menschen zu hören. Etwas raschelte. Es raschelte noch einmal, und ich spürte eine Anwesenheit.

Ich wachte auf.

 

Geheime Orte

Heute war ein guter Tag, denn ich bekam einen rosa Luftballon geschenkt :3

Ich finde, jeder Mann sollte eine eigene Höhle haben, an einem Ort, den niemand kennt, wo ihn niemand findet und wo er in Ruhe auf die Jagd gehen kann. Gut, was will man heute noch jagen, die Butter im Kühlschrank?

Ich habe auch so einen Ort, es gibt ein kleines Dörfchen an einem großen See an dem man angeln und schwimmen kann und den Fröschen abends in der Dämmerung beim quaken zuhören kann. Man kann an diesem Ort herrlich zwischen Strandmole und Kirchpark schlendern. Das Dorf schmiegt sich an der Hauptstraße entlang und ist nach 15 Minuten durchquert. Am Samstag war Dorffest, mit Bühne. Das halbe Dorf war auf den Beinen, und auch einige Besucher von außerhalb ließen es sich nicht nehmen, dem Spektakel beizuwohnen. Es war Erntedank. Die umliegenden Siedlungen hatten ihre Stände aufgebaut und präsentierten ihre schönsten Gedecke. Mir schien, dass das nicht die einzigen Schönheiten waren, die präsentiert wurden. Am lokalen Dorf-Zelt blickte ich in zwei strahlend blaue junge Augen umrahmt von dunklen Haaren nebst ebenso Aufmerksamkeit erregender Begleitung in blond. Die uniformierten Männer nebenan waren auch schon darauf aufmerksam geworden. Sie grinste mich an, denn schon saß ich links der zwei Damen und war ins Gespräch vertieft — mehr schlecht als recht mit deutschem Akzent auf meiner Seite — und ich erfuhr, dass es sich nicht etwa um Polizisten handelt, sondern um die Feuerwehr. Die blonde Schönheit witzelte noch etwas, dann war die Feuerwehr auch flott von der anderen Seite zur Stelle und nahm die Beiden mit auf eine Spritztour ins Nachbardorf. Ich sollte sie später wiedersehen.

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Mittlerweile hatte die Situation auf der Bühne gewechselt, die Preisverleihung war vorbei und fetzige Musik begeisterte die Menge. Die Kinder sprangen mit Perücken verkleidet zwischen den Älteren hin und her, und hopsten völlig ungezwungen auf der Tanzfläche herum. Mitten in diesem Tumult sah ich eine schwarz gekleidete Figur stehen. Ich war doch erleichtert, noch jemand in meinem Alter zu begegnen. Grade wollte ich mich zu ihr gesellen, als sie von hinten von einem älteren Mann angesprochen wurde. Ich beobachtete die Szenerie, und dann fiel mir auf, dass ich nicht der Einzige war. Mit einem Abstand von zwei Metern standen die Kerle um sie herum und schauten offenbar auf die Bühne. Als der sie ansprechende Mann fertig war – so schien es, denn er machte keine weiteren Anstalten und zog sich zurück – stellte ich mich zu ihr. Ich hatte sie schon Tage vorher gegrüßt, aber heute Abend sah sie umwerfend aus. Wir schauten uns in die Augen, während wir nebeneinander standen, und dann war sie so schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht war.

Ich entschied mich, zum Strand zu gehen und für Abkühlung zu sorgen. Der junge Strandwächter meinte, das Wasser sei für Amateure etwas kalt, aber bei 30° im Schatten konnte ich das nicht so recht glauben. Außerdem saßen bei ihm die zwei Grazien von vorher, so dass ich ihm nur zurief, er solle mich retten falls ich untergehe und mich wasserbereit machte. Nach ein paar Runden im See gesellte ich mich wieder zu den Dreien und war neugierig, was der Strandwächter in seiner Tasche hat. Der Luftballon gehörte nicht dazu. Später am Abend traf ich erneut auf Marta, die mich mit ihrer Freundin und zwei Kumpels schon in der Nacht zuvor zwischen zwei Dörfern eingeholt hatte. Da war ich allerdings schon beschäftigt, ein mobiles Zelt zusammenzuklappen, mit dem sich unter anderem die Feuerwehrmädchen abmühten. Ich hatte aber keine Ahnung, wie es geht.

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Auf der Jagd nach Melon Soda

fanta-melon-sodaEine Nachwirkung der Japanvisite ist mein Kaufverhalten. Ich greife in letzter Zeit ständig zu schrägen, bunten oder einfach mir unbekannten Produkten in der Hoffnung, neue Geschmacksrichtungen oder aus Japan bekannte Geschmacksrichtungen zu entdecken. Die gilt insbesondere für Getränke. Ich hätte vor meinem Aufenthalt sicherlich nie zu blasshellgrünem Saft aus dem Regal des Bad Uracher Edeka gegriffen. Allerdings hat die Erfahrung gezeigt, dass das Aussehen in Japan nicht in Verbindung gebracht werden kann mit dem Geschmack.

Ein Getränk werde ich jedoch vergeblich suchen: Laut Auskunft von Coca Cola resp. Fanta gibt es in Europa nirgends Melon Soda zu kaufen. Melon Soda ist eine spezielle Fanta-Marke in Japan, die es in vielen Automaten und den meisten Schnellrestaurants gibt. Nicht zu verwechseln mit Melon Cream Soda. Schade! Soviel zum Thema Globalisierung.

Ich habe es also hier mit dem Monin Melonensirup probiert. Obwohl sehr lecker, ist es kein Vergleich. Klar, das wäre als würde man Noname Colapulver in Mineralwasser kippen. Was ich gefunden habe ist das Hata Ramune Soda Melon, das könnte ähnlich genial schmecken. Mal sehen, ob es das online irgendwo gibt. Beim Lycheesaft war ich erfolgreich, den gibt es von vielen Herstellern, doch in genießbarer Form nur von Rubicon und am Besten hier verfügbar. Andere leckere Säfte hat Rubicon auch im Angebot, aber den Lycheesaft konnte keine wirklich übertreffen. Am Geschicktesten wird das ganze im 12er-Pack verschickt.

ramuneTatsache ist, in Japan ist nicht nur das Essen um Welten besser. McDonalds und andere globale Unternehmen mussten sich an den lokalen Markt anpassen, nicht umgekehrt wie im Rest der Welt. Die Getränke sind viel dezenter gehalten, der Anteil an Kohlensäure niedriger und damit angenehmer, ebenso gibt es an den allgegenwärtigen Automaten auch Getränke ohne Kohlensäure, ohne Zucker oder auch in Bitter. Das Angebot ist unüberschaubar groß und ständig kommen neue experimentelle Angebote auf den Markt, die aber auch mal genauso schnell wieder verschwinden. Somit sind die Japaner nicht nur bei Technik experimentierfreudig und Early Adopters, sondern auch bei den Getränken – sofern man nicht grade traditionell zu Essen geht, wo der grüne Tee zum Essen obligatorisch ist.