Geheime Orte

Heute war ein guter Tag, denn ich bekam einen rosa Luftballon geschenkt :3

Ich finde, jeder Mann sollte eine eigene Höhle haben, an einem Ort, den niemand kennt, wo ihn niemand findet und wo er in Ruhe auf die Jagd gehen kann. Gut, was will man heute noch jagen, die Butter im Kühlschrank?

Ich habe auch so einen Ort, es gibt ein kleines Dörfchen an einem großen See an dem man angeln und schwimmen kann und den Fröschen abends in der Dämmerung beim quaken zuhören kann. Man kann an diesem Ort herrlich zwischen Strandmole und Kirchpark schlendern. Das Dorf schmiegt sich an der Hauptstraße entlang und ist nach 15 Minuten durchquert. Am Samstag war Dorffest, mit Bühne. Das halbe Dorf war auf den Beinen, und auch einige Besucher von außerhalb ließen es sich nicht nehmen, dem Spektakel beizuwohnen. Es war Erntedank. Die umliegenden Siedlungen hatten ihre Stände aufgebaut und präsentierten ihre schönsten Gedecke. Mir schien, dass das nicht die einzigen Schönheiten waren, die präsentiert wurden. Am lokalen Dorf-Zelt blickte ich in zwei strahlend blaue junge Augen umrahmt von dunklen Haaren nebst ebenso Aufmerksamkeit erregender Begleitung in blond. Die uniformierten Männer nebenan waren auch schon darauf aufmerksam geworden. Sie grinste mich an, denn schon saß ich links der zwei Damen und war ins Gespräch vertieft — mehr schlecht als recht mit deutschem Akzent auf meiner Seite — und ich erfuhr, dass es sich nicht etwa um Polizisten handelt, sondern um die Feuerwehr. Die blonde Schönheit witzelte noch etwas, dann war die Feuerwehr auch flott von der anderen Seite zur Stelle und nahm die Beiden mit auf eine Spritztour ins Nachbardorf. Ich sollte sie später wiedersehen.

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Mittlerweile hatte die Situation auf der Bühne gewechselt, die Preisverleihung war vorbei und fetzige Musik begeisterte die Menge. Die Kinder sprangen mit Perücken verkleidet zwischen den Älteren hin und her, und hopsten völlig ungezwungen auf der Tanzfläche herum. Mitten in diesem Tumult sah ich eine schwarz gekleidete Figur stehen. Ich war doch erleichtert, noch jemand in meinem Alter zu begegnen. Grade wollte ich mich zu ihr gesellen, als sie von hinten von einem älteren Mann angesprochen wurde. Ich beobachtete die Szenerie, und dann fiel mir auf, dass ich nicht der Einzige war. Mit einem Abstand von zwei Metern standen die Kerle um sie herum und schauten offenbar auf die Bühne. Als der sie ansprechende Mann fertig war – so schien es, denn er machte keine weiteren Anstalten und zog sich zurück – stellte ich mich zu ihr. Ich hatte sie schon Tage vorher gegrüßt, aber heute Abend sah sie umwerfend aus. Wir schauten uns in die Augen, während wir nebeneinander standen, und dann war sie so schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht war.

Ich entschied mich, zum Strand zu gehen und für Abkühlung zu sorgen. Der junge Strandwächter meinte, das Wasser sei für Amateure etwas kalt, aber bei 30° im Schatten konnte ich das nicht so recht glauben. Außerdem saßen bei ihm die zwei Grazien von vorher, so dass ich ihm nur zurief, er solle mich retten falls ich untergehe und mich wasserbereit machte. Nach ein paar Runden im See gesellte ich mich wieder zu den Dreien und war neugierig, was der Strandwächter in seiner Tasche hat. Der Luftballon gehörte nicht dazu. Später am Abend traf ich erneut auf Marta, die mich mit ihrer Freundin und zwei Kumpels schon in der Nacht zuvor zwischen zwei Dörfern eingeholt hatte. Da war ich allerdings schon beschäftigt, ein mobiles Zelt zusammenzuklappen, mit dem sich unter anderem die Feuerwehrmädchen abmühten. Ich hatte aber keine Ahnung, wie es geht.

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